Samstag, den 11. Februar 2006
Schöner klarer Himmel leitet diesen Tag ein, an meinem Platz außen auf dem 5. Deck ist idealer Platz zum Sonnen, nur kurzfristig ziehen Wolken durch. Nach dem Mittagessen, Bohnensuppe, beginnen die Vorbereitungen für das Bordfest. Die Makrelen werden in der Pantry an Takelgarn aufgezogen und verknotet. Räucherspezialist ist ein Azubi. Goldbraun kommen die Fische aus dem Ofen, 2 Stunden intensive Beobachtung, Wasser und Räuchermehl werden nach Bedarf ergänzt.
Zwischen Kapverden und Canaren ist das Wetter ideal, 25°C Wasser und Luft. Ich bade mittags und vor dem Abendessen.
Grillparty am Abend, dieses Mal haben wir zu den Getränken beigesteuert. Ansonsten lief es ab wie auf dem Trip nach Süden. Der Capt. hat pünktlich um 17:30 sein Steak gegessen, ein Bier getrunken und wart nicht mehr gesehen, er war wohl auf der Brücke, denn alle Offiziere, die Wache hätten, waren bei der Party bis ca 21:00.
Sonntag, den 12. Februar 2006
Wieder schönes Wetter, Wasser und Luft 21°C. Es ist herrlich in der Sonne zu liegen, solange es geht, muß die Wärme ausgenutzt werden, es wird merklich kühler. Natürlich wird das Laufpensum nicht vernachlässigt. Bedingt durch den hier herrschenden Nordwind, geht Gischt über Deck. Es bleibt nicht aus, daß es einen erwischt, zumal der Wind frisch ist und die Haut auskühlt. Anschließend duschen um das klebrige Salz vom Körper zu waschen.
Nach dem Abendessen gibt es Apfelstrudel, sehr lecker.
Die Uhren werden wieder um 1 Stunde vorgestellt.
Montag, den 13. Februar 2006
Heute morgen um 05:30 passieren wir Santa Cruz de Tenerife, stockdunkel, bewölkt und außer den Lichtern der Stadt nicht zu sehen.
Die Badesaison am Pool ist beendet, Wasser ablassen und für die, die es noch nicht gemerkt haben, wird ein Netz darüber gespannt.
Der Koch zeigt uns seine Vorratsräume, 2 für Fleisch und Fisch, -18°C kalt, Gemüse +5°C. Alles schon reichlich ausgesucht, aber bis Hamburg, wo gebunkert wird brauchen wir wohl nicht zu hungern.
Am Vormittag frischt der Wind auf 6Bf, nach dem Wetterbericht liegen wir am Rand des Azorenhochs mit 1033 im Kern. Im Nordatlantik zieht ein Tief 965 Richtung Schottland, für morgen Schwell aus Nordwest, aber morgen sind wir noch nicht in der Biskaya.
Das Wetter um Madeira ist hier aktuell. Die Außentemperatur steigt heute, Nordwind bedingt, nicht über 17°C, Wasser 20°C. Trotzdem ist es in meiner Ecke windgeschützt und genieße die Sonne von 11:00 bis 15:00, danach Tee und ein wenig Computerarbeit.
Dienstag, den 14. Februar 2006
Heute morgen ziehe ich lange Hosen an und für die Rundgänge sogar mit Pullover. Bei der 3. Runde erwischt mich die Gischt, das Wasser ist nicht tragisch aber das Salz , da hilft nur duschen und Pullover waschen. Lange Dünung aus Nordwest hebt und senkt das Schiff um Meter. Zwischendurch regnet es aus tiefschwarzen Wolken. Ab 11:00 kommt die Sonne, ich nutze sie, außer der Mittagszeit bis 14:30. Die Mittagsposition ist westlich Lissabon. Luft:14°C, Wasser 18°C
Zum Mittag gibt es Oxtail mit Erdnußsauce, mir hat es gut geschmeckt, anderen nicht so. Im Allgemeinen wiederholen sich die Gerichte nicht, heute abend gibt es zum 2. Mal Labskaus, ganz anders, als wir es kennen, schmeckt trotzdem gut.
Die Wellen werden rauher, je weiter wir nach Norden kommen, je näher kommen wir an das Tiefdruckgebiet im Nordatlantik, 960Hp. Der Kapitän rechnet mit schwerem Schwell, möglichst alles festbinden. In der Messe wird alles abgeräumt und die Stühle vergurtet.
Mittwoch , den 15. Februar 2006
Das Rollchaos bleibt aus heute Nacht, der Wind dreht auf Südwest mit 8 Bf., der Wind kommt fast von achtern. Heute morgen passieren wir Capo Finesterre weit außerhalb des Verkehrstrennungsgebiet und kreuzen die Biskaya in Nordost Richtung. Die Wolken hängen tief, die Sicht ist keine Meile. Bedingt durch den Südwestwind ist es wärmer als gestern.
Der Kühlschrank hat den Geist aufgegeben. Der Elektriker, ein Russe, baut ihn aus und versaut mit seinen öligen Schuhen den Teppich. Normal nicht mein Bier, aber bis der Steward Zeit hat, reinige ich ihn selbst. Schaum ist vorhanden, hat was gebracht.
Nach dem Mittagessen mache ich eine Runde. Überall Wasser an Deck, das Schiff nimmt Wasser über bei dem starken Rollen. Bilder von den Ausmaßen der Wellen banne ich auf die Platte. Die Wellenhöhen kann man schlecht schätzen, aber wie auf diesem Foto ist man auf dem 5m hohen Deck unterhalb des Wellenkammes.
Der Schiffsverkehr wird mehr, Sicht knapp 2 Nm, Rollen bis zu 18° zur Seite. Die Wetterkarte heute zeigt das Tiefdruckgebiet mit 956 Hp im Norden von Schottland, hier sind es etwa 8Bf bei 17° Luft und 13°C Wassertemperatur.
Das Rollen wird schlimmer, auf den Tischen macht sich die Salatwürze selbständig, Gudrun geht samt Stuhl in die stabile Lage. Die Kaffeepötte rutschen von den Untertassen, sonst sind alle bei guter Laune. Das Abendessen, gebratene Pellkartoffeln mit Schweinshaxe ohne Knochen und Fett, hat gut geschmeckt. Bis weit nach Brest, wenn wir in den Ärmelkanal einlaufen, das ist aber erst Morgen Vormittag, bleibt uns das Rollen erhalten. Die Diaschau Brasilien ist fertig, heute abend erster Probelauf. Zeitumstellung auf Deutsche Zeit.
Donnerstag, den 16. Februar 2006
Heute Nacht Rollmops gespielt, um 02:00 bin ich umgezogen auf die Sitzecke und quer zur Schiffsachse geschlafen.
Der Tag beginnt mit bewölktem Wetter, auch die Sonne kommt hin und wieder zwischen den Schauern hervor. Um 11:00 passieren wir Guernsey. Zwischendurch Graupelschauer, bei achterlichem Wind, kaum noch Rollen. Dover und Calais sehen wir 21:00. Es ist auch um diese Zeit und trotz Tunnel reger Fährbetrieb zwischen England und Frankreich. Wir kommen gut durch, die Fähren kreuzen vor und nach uns. Von der Vorfahrt aus gesehen, gilt auch hier rechts vor links. Der Kapitän drosselt die Fahrt, weil er den Lotsen von der Maas erst um 04:30 bekommt und nicht für 1 Stunde den Anker schmeißen muß, zumal jetzt die Flut einsetzt, die durch den Kanal mit 3 kn. läuft.
Der Abend ist sternklar, bereits ist der Große Wagen mit dem Polarstern am nördlichen Himmel, im Süden das Sternbild des Orion, das wir noch vor kurzer Zeit im Norden gesehen haben. Dazu der jetzt abnehmende Mond, der südlich des Äquators genauso stand, nur zunehmend.

Rotterdam

Freitag, den 17. Februar 2006
Um 07:00 machen wir in Rotterdam fest. Regen, 4°C, bestimmt kein Ausflugswetter.
Nach dem Frühstück einigen wir uns, das Schiff um 10:00 zu verlassen und mit dem Taxi in die Stadt zu fahren. Über den Agenten bestellt, holt uns ein Minibus, mit den beiden jungen Leute sind wir 6 Personen, ab und fährt uns zum VVV Rotterdam, direkt am Rathaus. Der Stadtplan der Innenstadt bietet ein 2 stündigen Rundgang mit Sehenswürdigkeiten und Hafen an. Wir trennen uns, denn jeder hat verschiedene Interessen. Der Weg führt uns durch die Fußgängerzone zum Ufer der Maas und den alten Häfen. Bemerkenswert ist das Marinemuseum mit seinen eigenen Hafen. Es ist eine Art Industriemuseum, Schiffsmotoren sämtlicher Epochen, Plattboden Frachtschiffe, Getreidesauger, Rettungsboote, Lokomotiven, die Anfänge der Containertechnik und vieles mehr über die Schiffahrt. Dazu gibt es historische Werkstätten, die mit Leben erfüllt sind und vor allem zugänglich für Besucher. Ein besonderes Highlight ist die kleine Werft mit Helgen und Ausrüstungskran in voller Aktion. Wieder regnet es und der eiskalte Wind bläst uns ins Gesicht. Es ist inzwischen Mittag und suchen ein Lokal für eine Pause. Wo sich in der Innenstadt Cafés und Restaurants aneinanderreihen, finden wir im Hafen nichts nach unserem Geschmack. Was wir nicht wollen, sind braune Cafés und piekfeine Restaurants. Als letztes Ziel steht ein kleiner Segelhafen auf dem Programm, dann geht es zurück in das Einkaufszentrum. Inzwischen treffen wir das Ehepaar wieder und ein passendes Lokal. Für mich 2 Wein und Pannkoken. Am Liebsten mit Speck und Kaas, es gab aber entweder das Eine oder das Andere, Jochen bestellt mit Kaas, ich bestelle mit Speck, nach der Hälfte haben wir getauscht. Wir ordern das Taxi für 16:00, laufen bis dahin durch die Fußgängerzone, bei Mediamarkt kaufe ich den 2. Akku, den ich irgendwo in Rio verloren habe. Fußlahm sind wir ca. 17:00 wieder auf dem Schiff. Neue Meldung vom Capt. Auslaufen Samstag, 05:00. Alle sind müde, heute ohne Abendprogramm.
Samstag, den 18. Februar 2006
Um 07:00 stehe ich auf und immer noch wird in Rotterdam geladen. Jede Menge leere Kühlcontainer für Brasilien türmen sich auf Deck. Der Tiefgang beträgt 11,5 m. Neue Information vom Capt. Wir bekommen erst am Montag Morgen den Liegeplatz in Hamburg Eurogate, deshalb gehen wir vor Anker bei Elbe 1.
Ab 10:00 fahren wir die Maas flußabwärts bis Hoek van Holland. Die Sonne scheint, die Industrie beiderseits des Ufers ist sehenswert. Neben dem endlosen Tanklager schließt sich die Raffinerie an, dazu der riesige Ölhafen. Schiffswerften, Schwimmkrane und Ölplattformen. Die Maas hat ein riesiges Sperrwerk, Schutz gegen Sturmfluten aus der westlich gelegenen Nordsee.
Windstille und Sonnenschein, so gehen wir auf die freie See um 12:00. Nach dem Mittagessen nutze ich 1 Stunde Sonne auf dem 5. Deck, vom Fahrtwind geschützt und warm.
Wir laufen im Abstand von 10 Nm parallel zur holländischen Küste. Es trübt sich ein, es ist diesig, keine Landsicht. Nur zu erkennen ist das Feuer der Leuchttürme der vorgelagerten Inseln. Je weiter man sich den deutschen Seehäfen nähert, je dichter wird der Verkehr. Um Mitternacht übernimmt der Capt. das Steuer, kreuzt etwa 5 Nm vor dem Ankerplatz Reede Elbe 1 das Hauptfahrwasser, aus dem sich eine Flut von Schiffen elbeabwärts bewegt. Die Reede ist gut belegt. Der Capt erhält Erlaubnis, 5 Kabel (740m) nördlich zu Ankern. Bedingt durch das ablaufende Wasser, dreht das Schiff um 180°. Maschine ist gestoppt, ein wenig Maschine zurück und dann fällt der Anker um 00:30.
Sonntag, den 19. Februar 2006
Es scheint sonnig und windstill zu werden. Dicker Nebel steigt auf, verhüllt die Sonne total, die Sicht ist weniger als 100m.
Alle verfügbaren Azubis und Matrosen putzen das Treppenhaus, nicht nur den Boden sondern es wird auch Staub gewischt, einer trägt Staubmaske.
11:00 Meldung vom Capt., Hamburg Liegeplatz anlaufen um 02:00 am Montag, Anker lichten um 19:30 heute.
Am Abend kein Nebel mehr, bei Sommenuntergang liegt Stille über der See, friedlich zugleich.
Das Abschiedsessen heute: Mexiko Omelett zum Frühstück, Steak ,Gemüse und Pommes, Eis mit Preiselbeeren. Nachmittags Muffins, Abends Cold Cuts, alles was geschnitten und kalt ist; Brot, Wurst, Käse, Salat. Heute zusätzlich Eierspeise und so was ähnliches wie Kaviar.
Um 19:00 wird der Anker geliftet, um 20:00 kommt der Lotse an Elbe 1 an Bord und freut sich, eine schnelle Reise bekommen zu haben, anderenfalls hätte er auf einem Seelenverkäufer mit 5 kn. die Reise nach Brunsbüttel gemacht, denn auf den letzten Metern haben wir den Kahn, vom Ankerplatz kommend überholt.
Unterwegs, Schahörn Reede, liegt ein Schleppzug, der auf auflaufendes Wasser wartet, wir müssen die Geschwindigkeit drosseln. Plötzlich höre ich eine bekannte Stimme , Wasser- und Schiffahrtsdirektion, ich kenne ihn als Chief Mate auf der Reise nach Ostasien.
Ab Cuxhaven kommt dicker Nebel auf, der Lotse fordert Radarberatung an, kostet extra.
Es wird spät, Zeit zum Schlafen.
Montag, den 20. Februar 2006
Um 07:00 werde ich wach, Schiff vertäut am Eurogate in Hamburg. Nach dem Frühstück erhalten wir vom Capt. unsere Pässe und Impfausweise zurück.
Um 09:30 lassen wir uns zum Gate bringen und unser Abholer kommt kurz darauf.
Um 11:30 nach 5 Wochen hat uns die Heimat wieder, erholt und braungebrannt.